Menschenrechtsbeschwerden gegen Hamburger Metall-Konzern Aurubis
Estala Rojas, Beschwerdeführerin, und ihre Enkelkinder, die beide an schweren Atemwegserkrankungen leiden (© Misereor)

Menschenrechtsbeschwerden gegen Hamburger Metall-Konzern Aurubis

Beim Kupferabbau in Peru kommt es häufig zu schweren Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden. Nun reichen Betroffene eine Beschwerde im Rahmen des Lieferkettengesetzes ein.

Gemeinsam mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen in Peru haben Misereor und die peruanische Partnerorganisation Red Muqui am 25. November zwei Beschwerden gegen den Hamburger Metall-Konzern Aurubis beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingelegt. Die Beschwerdeführenden Estela Rojas und Lucio Flores sind dafür nach Berlin gereist und werfen dem Unternehmen vor, gegen gesetzliche Sorgfaltspflichten zu verstoßen und Kupferkonzentrate aus Minen in Peru zu importieren, bei deren Abbau es zu schweren Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen gekommen sei.

In beiden Fällen haben die Bergbauaktivitäten schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Menschen und die Umwelt. Vergiftetes Grundwasser, verseuchte Böden und Fischgründe sowie Luftverschmutzung sind Ursachen für häufige Krebserkrankungen und schwere Atemwegs- und Hauterkrankungen der Menschen, die im Umfeld der Bergbaustandorte nahe Puerto Huarmey und im Tumilaca-Tal leben.

Mehr als 2.000 Menschen aus den umliegenden Fischergemeinden sind von den Umweltverschmutzungen der Mine Antamina in der Gemeinde Puerto Huarmey betroffen.  „Unser Trinkwasser und unsere Böden machen uns krank, aber teures abgefülltes Wasser aus dem Supermarkt können sich viele nicht leisten“, berichtet Estela Rojas, Antragstellerin der Beschwerde gegen Aurubis. „Jeden Monat stirbt jemand aus unserer Gemeinde an Krebs, auch ich bin erkrankt. Bei sehr vielen Kindern und Erwachsenen unserer Gemeinden konnte Arsen im Blut festgestellt werden und die Ärzte empfehlen uns dringend, unsere Heimat zu verlassen“, erklärt Rojas.

Eine der größten Kupferminen Perus, Quellaveco, betrieben von AngloAmerican in der Region Moquegua, hinterlässt auch ihre toxischen Spuren. So berichtet der Hinweisgeber Lucio Flores, Vertreter der Federación Agraria y Ambiental de Moquegua, dass „im fruchtbaren Tumilaca-Tal durch die Mine die landwirtschaftlich genutzten Böden kontaminiert sind und damit auch die Ernte“. Neben dem Bewässerungswasser sei auch das Trinkwasser mit Schwermetallen kontaminiert, berichtet Flores. „70 Prozent der getesteten Kinder sind mit Arsen vergiftet.“

„Uns liegen Hinweise der peruanischen Umweltbehörden vor, dass die beiden Minen die Kontaminierungen der Umgebung verschulden“, berichtet auch Beatriz Cortez von der Menschenrechtsorganisation Red Muqui. „Peru ist weltweit der zweitgrößte Kupferproduzent, und die peruanische Bevölkerung bezahlt mit ihrer Gesundheit oder sogar mit ihrem Leben für die Entwicklung des globalen Nordens.“

Puerto Huarmey (© Misereor/Vigo Martínez)
Kupferbergwerk Antamina (© Misereor/Vigo Martínez)

Lieferkettengesetz ist unverändert in Kraft

„Aurubis trägt als Kupferimporteur nach unseren Recherchen eine große Mitverantwortung am Leid vieler Menschen und einer systematischen Umweltverschmutzung“, erklärt Mattes Tempelmann, Misereor-Berater für Bergbau, Ökologie und Menschenrechte. „Wir fordern, dass Aurubis in Absprache mit den Betroffenen vor Ort effektive Maßnahmen zur Beendigung der Menschenrechtsverletzungen in Puerto Huarmey und im Tumilaca-Tal umsetzt und damit seinen Pflichten gemäß dem Lieferkettengesetz nachkommt“, so Tempelmann.

„Das Lieferkettengesetz ist immer noch unverändert in Kraft, auch wenn die Bundesregierung eine Novelle zu dessen Abschwächung vorgeschlagen hat“, betont Armin Paasch, Experte für Menschenrechte und Wirtschaft bei Misereor. „Vom BAFA erwarten wir, dass es die Vorfälle unvoreingenommen und gründlich prüft, Maßnahmen zur Beendigung der Verstöße anordnet und notfalls auch Bußgelder verhängt.“ Mit Blick auf die Zukunft des Lieferkettengesetzes fordert Paasch: „Jeglicher Rückschritt beim Menschenrechtsschutz verstößt gegen EU- und Völkerrecht. Wir erwarten selbstverständlich, dass die Bundesregierung dies bei der Novellierung des Lieferkettengesetzes wie auch bei den aktuellen Verhandlungen zur EU-Lieferkettenrichtlinie ohne Abstriche einhält.“

Im Rahmen einer Speakers-Tour haben die Beschwerdeführenden, zusammen mit Red Muqui, dem Erzbistum Freiburg und Misereor in der vergangenen Woche in Berlin und Mannheim wichtige politische Gespräche mit Vertreter*innen unterschiedlicher Fraktionen sowie mit ausgewählten Ministerien geführt.

Die Erzdiözese Freiburg, die eine enge Partnerschaft mit der peruanischen Kirche unterhält, unterstützt die Beschwerden beim BAFA und erwartet von Aurubis, in Konsultation mit den Betroffenen Maßnahmen zu ergreifen, um die Situation vor Ort zu verbessern. „Wir müssen einen „Wettlauf nach unten“ vermeiden, bei dem Unternehmen und Länder auf Kosten von Menschen und der Umwelt um die niedrigsten Standards konkurrieren. Die deutsche Industrie und die Zulieferer für strategische Metalle müssen die Menschenrechte und die Umwelt respektieren“, erklärt Vanessa Schaeffer, Referentin für Menschenrechte und Rohstoffgerechtigkeit in Peru beim Erzbistum Freiburg.

Vermutlich findet die Arsenkontaminierung auch über das Leitungswasser statt. (© Misereor/Vigo Martínez)
Hintergrundgespräch zwischen Misereor, Agiamondo, Red Muqui, dem Erzbistum Freiburg und dem Bundeministerium für Wirtschaft und Energie zu den beiden BAFA-Beschwerden

Die Resonanz in der Presse in Deutschland und in Peru zeigt das große Interesse an diesem politisch relevanten Thema.


Weiterführende Infos:

Welt-Sichten: Beschwerde gegen Metallkonzern Aurubis

Junge Welt: Arsenverseuchung in Peru