Ein Ausfluss von Abraumschlamm beim Bergbauunternehmen Los Quenuales S.A.C. im Bezirk Chicla hat bei Anwohner*innen, Behörden und Organisationen Besorgnis ausgelöst. Denn es besteht die Gefahr, dass das Einzugsgebiet des Flusses Rímac davon betroffen ist. Der Rímac ist die wichtigste Wasserversorgungsquelle für den Großraum Lima.
Wie berichtet, waren Edwin Alejandro Berrospi vom bergbaukritischen Netzwerk Red Muqui und Paul Maquet von der NGO CooperAcción im Frühjahr in Europa auf Tour, um über die Verschmutzung des Rímac-Flusses durch den Bergbau zu informieren. Nun ist wieder ein Unfall passiert, wie auf der Webseite von CooperAcción zu lesen ist.
Zuerst verbreiteten Bewohner*innen der Gemeinde Chicla, Vertreter der lokalen Regierung und lokalen Medien die Warnung. Sie meldeten, dass offensichtlich ein Defekt oder Bruch einer Leitung zum Austritt von Abraum aus Bergbauaktivitäten des Unternehmens Alpayana geführt habe. Alpayana hat 2022 Los Quenales übernommen, das vorher zum Schweizer Unternehmen Glencore gehörte.
Der Anzeige zufolge floss das ausgelaufene Material aufgrund des natürlichen Gefälles die Hänge hinunter und verteilte sich in verschiedenen Bereichen, bis es schließlich auch Gebiete in der Nähe des Flussbetts des Rímac erreichte. Die Gemeindemitglieder bezeichneten den Vorfall als schweres Umweltvergehen und forderten, dass die zuständigen Behörden sofort eingreifen.
Nach Angaben der Anwohner*innen und der Gemeindebehörden untersuchten Vertreter*innen der Lokalregierungen von Chicla und Casapalca das Gebiet. Sie fanden verstreut liegendes Material an verschiedenen Stellen des betroffenen Geländes. Auf Filmaufnahmen ist zu sehen, wie Arbeiter das verschüttete Material einsammeln und bestimmte Bereiche mit Erde bedeckten. De Anwohner*innen vermuten, dass damit die Umweltauswirkungen vertuscht werden sollten, bevor die Aufsichtsbehörden aktiv werden. Dieser Vorwurf muss geklärt werden, fordert CooperAcción.
Überwachungsmaßnahmen der Umweltbehörde eingeleitet
Bislang stammen die wichtigsten verfügbaren offiziellen Informationen von der Behörde für Umweltbewertung und -kontrolle (OEFA). Offizielle Ergebnisse zu den Umweltauswirkungen liegen noch nicht vor. Am 14. Juni 2026 teilte die Behörde mit, dass sie nach einem Auslaufen von Abraumschlamm in Huarochirí Überwachungsmaßnahmen eingeleitet habe, um die Ursachen des Vorfalls zu ermitteln, mögliche Umweltauswirkungen zu bewerten und die Umsetzung der entsprechenden Notfallmaßnahmen zu überwachen.
Der Abraumschlamm war aus einer Anlage des Bergbauunternehmens Alpayana ausgetreten. Alpayana pumpt seine Abraumhalden in das Hochland von Chinchán, was aufgrund der damit verbundenen Bedrohung für das Quellgebiet des Flusses Rímac für anhaltende Kritik sorgt.
Die OEFA setzt die Überwachungsmaßnahmen im betroffenen Gebiet fort, hat aber bisher weder Ergebnisse von Überwachungsmaßnahmen noch Laboranalysen oder technische Schlussfolgerungen zu den Umweltauswirkungen des Vorfalls veröffentlicht. So gibt es immer noch keine offizielle Erklärung zu einer möglichen Beeinträchtigung des Flusses Rímac oder der umliegenden Ökosysteme.
In den letzten Tagen haben verschiedene Anwohner*innen und lokale Quellen berichtet, dass Mitarbeiter*innen der Nationalen Wasserbehörde (ANA) Proben in dem Gebiet entnommen hätten. Bislang liegen jedoch weder eine offizielle Bestätigung der ANA noch Ergebnisse von Wasseranalysen vor.
Gemeinden fordern Transparenz und unabhängige Überwachung
Die Gemeinden Chicla und Casapalca haben das Umweltministerium, die OEFA, die ANA und weitere zuständige Stellen aufgefordert, eine umfassende und unabhängige Bewertung durchzuführen, um festzustellen, ob die Verschmutzung die Wasserqualität, die Böden und die Ökosysteme der Region beeinträchtigt hat.
Zudem fordern sie, dass die Untersuchungen transparent durchgeführt und im Falle einer bestätigten Umweltverschmutzung die entsprechenden Verantwortlichkeiten geklärt werden müssen.
Bis zur Veröffentlichung dieses Artikels lag keine öffentliche Stellungnahme des Unternehmens Alpayana zu den Vorwürfen vor.
Santander-Bank vergibt Millionen-Kredit und äußert sich nicht
Die spanische Bank Santander hat dem Unternehmen Alpayana im Jahr 2025 einen Kredit in Höhe von 100 Millionen Dollar gewährt. Edwin Alejandro und Paul Maquet hatten während ihrer Europareise auch Vertreter der Bank getroffen und sie auf die Gefahren durch das Projekt hingewiesen. Auf die Aufforderung, zu den Vorwürfen gegen das Unternehmen Alpayana Stellung zu nehmen, hat die Bank nicht reagiert.
Jetzt mitmachen: Online-Petition „Santander-Bank: Bergbauprojekt Ariana stoppen!“
Die Aktionsplattform Eko hat eine Online-Petition gestartet: Die Santander-Bank soll ihre Unterstützung für das Ariana-Projekt beenden. Bitte unterschreiben und verbreiten Sie die Petition!
Über die Bedrohung von Limas Trinkwasser durch das Bergbauprojekt gibt es einen sehr informativen Dokumentarfilm, der mit deutschen Untertiteln hier zu sehen ist.
Außerdem hat die Infostelle ein Interview mit Edwin Alejandro und der Aktivistin Betsabé Vásquez geführt, ebenfalls mit deutschen Untertiteln: